Sondermülldeponie Mensch – wie wir besser leben ohne Müll

>>> Vortrag am 21. März um 19.30 Uhr im Blauen Haus in Dießen <<<

Der Durchschnittsdeutsche wirft etwa 450 kg Haushaltsmüll im Jahr weg, also weit mehr als ein Kilo am Tag. Selbst wenn man seinen Müll trennt, kann nur ein geringer Anteil recycelt werden. Der andere Teil wird verbrannt.

Weltweit wurden in den letzten 70 Jahren 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoffe produziert, ca. 80% davon lagern auf Deponien oder oder in der Umwelt, umgerechnet etwa so viel wie eine Milliarde ausgewachsene Elefanten wiegen. Und der Verbrauch steigt unvermindert weiter.

In den Köpfen der Bevölkerung geht die Meinung herum, dass sich Plastikmüll nach spätestens 450 Jahren abgebaut hat. Dies ist aber ein Fehlglaube, denn Plastik zersetzt sich nicht, sonder zerfällt in Mikroplastik. Unsere Nahrungsquellen und unsere Umwelt sind im erheblichen Maße belastet, insbesondere das Meer.

Britische Forscher der Ellen MacArthur Foundation haben berechnet, dass  jedes Jahr acht Millionen Tonnen Plastik in den Meeren landet. Das ist, als würde jede Minute ein Müllwagen seinen Inhalt ins Meer kippen. Im Jahr 2030 werden es zwei Müllwagen pro Minute sein, 2050 vier. Forscher schätzen, das sich bereits 150 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer befinden.

Unser Trinkwasser ist mit Mikroplastik belastet. Selbst in unserem Blut wird bereits Mikroplastik  in relevanten Mengen gefunden. Mikroplastik wird in Zahnpasta, Peelings, Haarwaschmittel und anderen Produkten verwendet und über die Haut aufgenommen. Welche langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen das mit sich bringt, ist bisher noch nicht umfänglich erforscht.

Wir vergiften nicht nur unsere Umwelt, sondern uns gleich mit. Der Mensch wird zur wandelnden Sondermülldeponie.

Doch damit nicht genug. Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten einen Großteil seines Mülls nach China exportiert. Allein 2016 wurden mehr als 560.000 Tonnen Alt-Plastik in die Volksrepublik China exportiert. Seit Januar diesen Jahres hat China die Einfuhr von Kunststoffabfällen verboten und Deutschland sucht verzweifelt nach einer  neuen Müllkippe in der Welt.

Ein „Weiter so“ ist für uns, unsere Kinder und Enkel nicht mehr zumutbar.

Dieses vordringliche Thema ist in seiner ganzen Dimension noch nicht in der Bundespolitik angekommen. Wie bei dem nicht lösbaren Problem der Atommülllagerung, herrscht auch bei der Vermüllung durch Kunststoffe vollständige Ratlosigkeit und Überforderung.

Bis die Bundespolitik in der Lage ist, diese Probleme ernsthaft zu bekämpfen, wird noch viel Plastik die Isar runter treiben.

Also ist wieder einmal der einzelne Bürger gefragt etwas zu ändern. Aber was können Sie und ich im Alltag ändern? Die Zauberformel hierzu heißt „Zero Waste“ was übersetzt so viel bedeutet wie: „Kein Müll, keine Verschwendung“. Einige in unserer Nachbarschaft verfolgen schon diese Philosophie.

Kristina Walterham aus Dießen hat sich vor einigen Monaten auf den müllfreien Weg gemacht. In einem Interview berichtet sie über die ersten Schritte, Erfolge und Hindernissen auf ihrer Abenteuerreise zu „Zero Waste“.

Kristinas Zuhause sieht auf den ersten Blick ganz normal aus. Sie bewirtet ihre Gäste mit Saft, Mineralwasser oder Tee. Man fragt sich: wo ist „Zero Waste“. Erst wenn man genauer hinschaut, findet man die Hinweise. Saft und Mineralwasser kommen aus Glaspfandflaschen, der Tee ist lose und wird mit einem wiederverwendbaren Sieb aufgegossen. So spart man also nicht nur Müll, sondern es schmeckt auch noch besser. Wenn man sich die Hände waschen will, greift man nicht zur Flüssigseife aus der Plastikflasche, sondern zum guten alten Seifenstück.

 

Kristina, wie bist du auf das Thema „Zero Waste“ gekommen?

Ich habe durch Zufall ein Video auf YouTube gesehen. Das hat mich interessiert und so habe ich mir weitere Videos angeschaut, Blogbeiträge und Bücher gelesen und so haben wir damit angefangen.

Wer ist wir?

Damit sind meine Schwester, meine Mutter und ich gemeint. Am Anfang war nur ich aktiv. Es war gar nicht so einfach die Beiden zu begeistern. Meine Mutter ist hauptsächlich für die Einkäufe und die Organisation des Haushaltes zuständig. Sie war zuerst skeptisch, weil sie nicht wusste, wie sie „Zero Waste“ in ihren täglichen Ablauf einbinden kann. Nach einiger Überzeugungsarbeit konnte ich Beide davon überzeugen, „Zero Waste“ in der Praxis auszuprobieren.

Wie habt ihr mit „Zero Waste“ angefangen?

Pflichtlektüre war das Buch von Bea Johnson. Sie ist die Ikone der „Zero Waste“ Bewegung. Der deutsche Buchtitel heißt: „Glücklich leben ohne Müll“. In diesem Buch beschreibt Bea sehr anschaulich, wie sich „Zero Waste“ einfach in der Praxis umsetzen lässt. Danach haben wir beschlossen, erst mal mit den einfachen Dingen anzufangen.

Was für Dinge sind das?

Wir nehmen Stoffbeutel mit zum Einkaufen, das Obst kommt ebenfalls in wiederverwendbare Stoffbeutel. Der „Cafe to go“ schmeckt aus wiederverwendbaren Becher, die Brotzeit liegt in Edelstahldosen, wir verwenden Stoffservietten, anstatt der Küchenrollen gibt es einen Stofflappen und wir kaufen viel unverpackt auf dem Markt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie lange macht ihr das jetzt schon und wieviel eures Alltagsmülls habt ihr eingespart?

Wir haben vor ungefähr einem halben Jahr angefangen und einen guten Fortschritt gemacht. Darauf sind wir ziemlich stolz! Wir sparen bereits die Hälfte von unserem früheren Müllmengen ein. Die Mülltonne für Kunststoff war noch vor einem halben Jahr voll, wenn sie abgeholt wurde. Heute liegt nur noch die Menge eines gefüllten Müllbeutels drin. „Zero Waste“ ist ein Weg. Es kommt immer wieder etwas hinzu, wo Müll gespart werden kann. Wichtig ist, dass man mit offenen Augen durch die Läden geht und sich bewusst macht, wo man durch Konsum Müll verursacht.

Plant ihr aktiv den nächsten Schritt oder lasst ihr euch vom Zufall überraschen?

Am Anfang kamen die Themen spontan. Jetzt gibt es eine Liste mit möglichen Themen. Wir besprechen in der Familie, was als nächstes in Angriff genommen werden soll. Um uns zu inspirieren, haben wir uns einmal an einem Samstag auf eine „Schatzsuche“ begeben. In den verschiedenen Läden entdeckten wir Produkte, die helfen Müll zu vermeiden oder die müllarm verpackt sind. Besonders spannend waren die Läden, die sonst nicht unseren Einkaufsgewohnheiten entsprochen haben.

„Zero Waste“ ist ja ein anspruchsvolles Ziel! Was habt ihr euch vorgenommen?

Keinen Müll zu produzieren ist in der heutigen Gesellschaft kaum zu schaffen, denn es braucht ein gesellschaftliches Umdenken. Es geht eher darum, mit kleinen Anpassungen seinen Müll Schritt für Schritt zu reduzieren. Nichts mehr zu verschwenden, keine Lebensmittel, keinen Strom, kein Wasser, nachhaltig zu handeln ist ein weiteres Ziel.

Wie reagiert euer Umfeld auf die „Zero Waste“ Initiative?

Die  meisten Menschen sind neugierig und skeptisch zugleich. Sie möchten mehr über „Zero Waste“ erfahren und wissen, wie man damit anfängt. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, einen Informationsabend zu gestalten. Anhand unseres Weges werden wir aufzuzeigen, wie jeder Einzelne mit Leichtigkeit und Freude das Thema entdecken kann. Die Grünen in Dießen unterstützen uns bei unserem Vorhaben. Der Informationsabend mit anschließender Fragerunde findet am 21.03.2018 um 19:30 Uhr im blauen Haus in Dießen statt. Die Teilnahme ist natürlich kostenfrei.

Jeder den das Thema interessiert, ist herzlich eingeladen, vorbei zu schauen und sich inspirieren zu lassen.

 

Patric Glaß 21.02.2018

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